Autor(en):
Marlon Possard & Sonja Bleichert

Institution:
Hochschule für Angewandte Wissenschaften Campus Wien

Titel:
Behördenkontakte mit „Staatsverweigerern“/„Reichsbürgern/„Selbstverwaltern“ Österreichweite Erhebung

Zusammenfassung:
Das Phänomen der Staatsverweigerern in Österreich zeigt seit Jahren steigende Zahlen, wobei insbesondere die COVID-19-Pandemie als Katalysator gewirkt hat. Vergleichbare Gruppierungen sind international bekannt, etwa „Reichsbürger“ in Deutschland oder „Sovereign Citizens“ in den USA. Gemeinsam ist ihnen die Infragestellung staatlicher Legitimität, die Ablehnung offizieller Institutionen, die Nähe zu Verschwörungsideologien sowie der Einsatz pseudojuristischer Argumentationen und selbstverfasster Dokumente zur Umgehung rechtlicher Pflichten. Da Behördenkontakte bislang kaum erforscht sind, liefert die vorliegende Studie erstmals systematische Erkenntnisse hierzu in Österreich. Die Mixed-Methods-Erhebung (August bis Dezember 2025) richtete sich an alle Mitarbeitende österreichischer Behörden. Staatsverweigerer waren überwiegend männlich, 41 - 50 Jahre alt und bezeichneten sich häufig als „Freier Mensch“ oder „Reichsbürger“. Kontakte erfolgten vor allem schriftlich; aggressive Vorfälle traten selten bis gelegentlich auf. Häufig wurden die Interaktionen als konfrontativ, zeitintensiv und emotional belastend beschrieben. Zentrale Herausforderungen sind insbesondere erschwerte Kommunikation, hoher Verwaltungsaufwand und fehlende standardisierte Verfahren, weshalb Schulungen, klare Leitlinien und Deeskalationsstrategien gefordert werden.

S. 35-51